Presse u. Referenzen

Karsten Michaelis

Karsten Michaelis - "Fotogemälde"

 

[...]Gegenüber der traditionell-analogen Verfahren erlaubt die digitale Fotografie eine geradezu unbegrenzte Ausweitung künstlerisch-fotografischer Möglichkeiten. So ermöglicht die neue Technik beispielsweise, Fotos am Computer in jeder Hinsicht - formal, gestalterisch, farblich oder inhaltlich - komplett zu überarbeiten und nach Wunsch zu verändern. Künstler wie beispielsweise Helle Jetzig, Ulrich Heemann oder Karsten Michaelis setzten mittels der digitalen Techniken neue Akzente in ihrer Kunst und brachen in neue Bildwelten auf.

 

Karsten Michaelis Bildinszenierungen sind geschickt am Computer komponierte Porträtstudien. In den Bildern des Fotokünstlers "kippt" die Realität oftmals ins Traumhaft-Unwirkliche. Karsten Michaelis digital entstanden Bildgeschichten - oftmals wirken sie wie Scheinwelten - weisen in ihrer geheimnisvollen Bildathmosphäe eine Nähe zum "Magischen Realismus" auf, einem Kunststil, der zwischen 1920 und 1950 in Deutschland entwickelt wurde. Der Künstler selbst bezeichnet diese Bild-Inszenierungen als "Fotogemälde".

 

Andre Lindhorst

Karsten Michaelis - "Künstlerportraits"


 

Seit etwa 15 Jahren portraitiert der Osnabrücker Fotograf Karsten Michaelis Künstlerinnen und Künstler, die in Osnabrück leben und arbeiten. Aus seinen Fotos blicken uns aber auch Gesichter von Künstlern an, die in Osnabrück nur eine kurze Zeit tätig waren oder die in Osnabrück künstlerische Projekte realisiert haben.

 

Mit den Jahren hat Karsten Michaelis eine umfangreiche Prominentenportraitserie von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, auf der Grundlage von Auftragsarbeiten und freier Arbeit fertig gestellt. Als "Who is Who" in Osnabrück könnte man diese Werkserie der Öffenlichkeit bekannter Menschen bezeichnen, zumal Karsten Michaelis diese Fotoserie auch immer noch aktualisert und weiterführt.

 

Viele Fotos von der Hand des Fotografen werden durch die Zeit reisen. Später werden diese Fotos vielleicht einmal von der kulturellen Aktivität und Attraktivität in der Zeit um 2000 zeugen. Auf jeden Fall sind sie mit der kulturellen Identität Osnabrücks schon heute eng verbunden.

 

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie sie Karsten Michaelis fotografiert, spielen in unserer Wahrnehmung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Oft nehmen wir uns Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, zum Vorbild oder wir gehen zu ihnen auf Distanz, weil sie unserer Meinung oder unseren Vorstellungen nicht entsprechen. Auf jeden Fall aber lösen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gerade auch als Enscheider und "Macher" Diskussionen in den Medien und in der Öffentlichkeit aus.

 

Für Karsten Michaelis war und ist der Prozess der Portraitfotografie immer auch eine persönliche Entdeckungsreise. Spätestens seit der Präsentation seiner Portraits im Rahmen der Arte Regionale in der Kunsthalle Osnabrück im Jahr 2003 hat sich der Fotokünstler in der Kulturszene als Portraitfotograf einen Namen gemacht.

 

Viele Bilder prominenter Menschen aus der nationalen und internationalen Kunstszene finden sich unter seinen Werkreihen. Große Künstlerpersönlichkeiten wie Rainer Fetting, dem Wegbereiter und Hauptprotagonist der sogenannten Neuen Wilden, hat Karsten Michaelis fotografiert. Und auch den Dokumenta-Künstler und Bildhauer Heinrich Brummack oder die international bekannte britische Installationkünstlerin Marilene Oliver hat er vor der Kamera gehabt, und auch so bekannte und ebenfalls international renommierte Künstler, wie der Hamburger Maler Werner Büttner oder der in New York lebende Video- und Fotokünstler Stefan Roloff haben ihm "Modell gestanden".

 

 Karsten Michaelis führt seine Modelle nicht vor, indem er ihnen ein Image überstülpt, sondern er inszeniert seine Modelle aus jedem Fotoshooting vorausgehenden kummunikativ-vertrauensvollen Prozessen heraus. Das macht er so sensibel und behutsam, dass der Bezug des Dargestellten zu seinem beruflichen Wirken oder seine kreative Seite bzw. ein besonderer Wesenszug seiner Existenz im Portraitfoto zum Ausdruck kommen.

 

Geschickt setzt Karsten Michaelis sein künstlerisches Handwerk ein. Persönliche Momente und intime Augenblicke beispielsweise fängt er einerseits mittels Schnappschuss ein oder er arbeitet andererseits mit seinem Modellen inszenierend in seinem Fotostudio. So ist jeder Blick auf ein "Modell" bei Karsten Michaelis auch immer ein genauer und behutsamer Blick auf eine menschliche Wirklichkeit, der uns Betrachter auffordert, uns in eine andere Identität bzw. in ein anderes Leben hinein zu versetzen.

 

Text: Andre Lindhorst, Leiter u. Kurator der Kunsthalle Osnabrück, 2012

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